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/// – 13. September 2019

Warum der Ton im Film so wichtig ist

Audio und Sound spielen auch in Unternehmensfilmen eine zentrale Rolle

Wie wichtig ist denn nun der Ton wirklich im Film?

Faszinierend zu beobachten ist, dass selbst unter den Profis die verschiedenen Gewerke einer scheinbaren unausgesprochenen Hierarchie folgen. Die Leute vom Bild, zum Beispiel der Kameramann, die Stuntcrew, oder der Requisiteur genießen im Vergleich zum Toningenieur am Set einen höheren Stellenwert. Selbst Laien finden die Arbeit an der Kamera faszinierender als die an der Tonangel.

Auch in der Postproduktion ändert sich diese Wahrnehmung nicht. Die Special-FX-Leute aus dem CGI- und 3D-Bereich haben eine bessere Reputation als der Toningenieur im Studio. In sämtlichen Making-Of-Videos wird die Arbeit am Set vor der Greenbox oder am Rechner im 3D-Department gezeigt.

Sehr selten wird etwas aus der Audiobearbeitung berichtet. So könnte man auf den Gedanken kommen, das der Ton tatsächlich nicht so viel zum Gesamtwerk beiträgt wie die aufwändige Arbeit am Bild. Eine Gewichtung von 70/30 vielleicht?

Wenn Sie jetzt zu dem gleichen Fazit gekommen sind, dann möchte ich Ihnen die folgende Frage stellen: „Sie kaufen CDs oder Streamen Musik ohne Bild, aber wieviele Filme haben Sie sich schon ohne Ton angesehen?“

Sie kaufen CDs oder Streamen Musik ohne Bild, aber wieviele Filme haben Sie sich schon ohne Ton angesehen?

Spätestens nach dieser Frage ist klar: Ein Film ohne Ton funktioniert einfach nicht. Und es geht sogar noch weiter, der Ton kann aufwändige Filmaufnahmen ersetzen und Teile der Geschichte erzählen.

Aber eins nach dem anderen. Wenn wir uns die zwei Sinne einmal im Detail ansehen, dann stellen wir Folgendes fest. Die Augen kann ich schließen, wenn ich genug habe, oder etwas nicht sehen will. Es ist eine bewusste Entscheidung, abends das Licht auszuschalten und die Augen zu schließen, wenn ich Ruhe haben möchte und schlafen gehe. So sperre ich die visuellen Reize der Umwelt aus. Unser Gehirn muss die visuellen Impulse also nicht mehr bearbeiten und kann sich auf andere Dinge konzentrieren.

Bei unseren Ohren funktioniert das leider nicht. Wir können unsere Ohren nicht schließen und somit unsere Umgebung „aussperren“ oder den Ton abstellen. Die Ohren sind immer auf Empfang gestellt und somit ist es dem Gehirn überlassen, zu filtern, was wichtig ist und was nicht. Das Gehirn leistet dabei ganze Arbeit. Wenn meine Kinder im Spiel vertieft sind und ich sie rufe, passiert überhaupt nichts. Kein Zucken. Keine Reaktion.

Dazu gibt es ausreichend Literatur, in der es heißt, dass man in diesem Fall nicht einfach rufen, sondern auf die Kinder zugehen, und sie antippen solle, damit sie aus dem Spiel herauskommen, dann klappt es auch wieder mit dem Hören. 🙂

Dieser Mechanismus funktioniert beim Hören unbewusst. Da die Ohren zu 100% rund um die Uhr auf Empfang gestellt sind, wird auch bei Erwachsenen im Alltag sehr viel herausgefiltert und nur wenige Informationen zur bewussten Wahrnehmung zugelassen.

Und das macht auch die Magie des Tons aus, die beim Film eingesetzt wird und einen kompletten Kanal zum Zuschauer eröffnet, in dem man etwas „unterschummeln“ kann.

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Audiomischpult im Studio während einer Filmvertonung.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten einen Science-Fiction-Spielfilm produzieren und haben aber nicht das Budget, um aufwändige Alien-Monster in 3D zu animieren und in das Bild zu setzen. Dann können sie die Kreaturen einfach auf der Tonspur erzählen. Ein Beispiel:

Szene: Abenddämmerung, Wald, der Protagonist und seine Heldin fliehen vor einer unbekannten Bedrohung.

Umsetzung mit 3D-Animation:
Wir sehen die Schauspieler im Wald, sie stehen auf der Stelle und schauen sich um. Zwischen den Bäumen sehen wir etwas vorbeihuschen. Ein (3D-animiertes) Alien nahe der erschrockenen Gesichter. Jetzt sehen wir, wie die Äste eines Baumes von einer Hand mit langen Fingern weggebogen werden und ein Alienfuß tritt aus dem Dickicht auf die Protagonisten zu. Die Protagonisten laufen davon.

Umsetzung ohne 3D-Animation, nur mit Ton:
Wir sehen die Schauspieler im Wald, sie stehen auf der Stelle und schauen sich um. Wir hören ein Rascheln der Bäume und tierähnliche Geräusche aus dem Dickicht. Nahe der erschrockenen Gesichter. Jetzt sehen wir, wie sich die Zweige bewegen. Wir hören ein lautes Bersten der Äste und stampfen auf dem Boden. Die Protagonisten laufen davon.

Diese Beispielszene funktioniert genau so gut oder sogar vielleicht noch viel besser? Warum? Weil der Zuschauer in der reinen Tonvariante seine eigene Phantasie und seine eigenen Ängste in den Film einsetzt. In der Variante mit Animation ist das Bild vorgegeben, und es kann passieren, dass der Zuschauer genau dieses Alien nicht gruselig findet.

Ein gutes Beispiel für eine solche Situation ist der Film „Monsters“.

Monster mit Ton und Sounddesign im Kopf des Betrachters zu generieren, ist für Spielfilme ein tolles Mittel. Aber funktioniert das auch bei Unternehmensfilmen?

Ja, und zwar sehr gut. Die erzeugten Emotionen sind nicht so drastisch, aber dennoch ausschlaggebend für die Stimmung und die Message, die vermittelt werden soll. Kein Unternehmensfilm kommt ohne Musik aus.

Die Kunst in der B2B-Kommunikation und im Unternehmensfilm ist es, mit der Musik und dem Sound ein Gefühl und eine Stimmung zu vermitteln ohne die direkte Aufmerksamkeit des Betrachters darauf zu lenken. Wir nutzen also den unbewussten Kanal, um den Zuschauer zu erreichen und ihm eine weitere Information mitzugeben.

Um dies zu erreichen, ist es wichtig, die Musik so zu komponieren oder zu wählen, dass die gewünschte Stimmung erzeugt wird, gleichzeitig aber keine zu eingängliche Melodie oder Instrumentierung gewählt wird, damit die Musik nicht von den gesprochenen Inhalten ablenkt – eben nur unterstützend mitwirkt.

Aber auch die Tonqualität an sich löst beim Betrachter ein Image aus. Nehmen wir ein ganz normales Statement.

In der heutigen Zeit wird teilweise sehr kurzfristig agiert und so kommt es, dass firmenintern schnell mal etwas mit dem iPhone aufgenommen wird, zum Beispiel, eine kurze Ansprache für die Kollegen in der DACH-Region. Das Bild sieht meist auch ganz in Ordnung aus, wenn einige grundlegende Dinge beachtet wurden. Was dabei allerdings oft unterschätzt wird, ist der Ton. Das eingebaute Mikrofon im Telefon zeichnet in 2 Meter Entfernung zur sprechenden Person eben auch den gesamten Raumklang, und was sonst noch so an Umgebungsgeräuschen passiert, mit auf. Die eingebauten Audiofilter, die beim Telefonieren mit dem Gerät direkt in Mundnähe ganz sinnvoll sind, helfen auf der Distanz nicht wirklich.

Das Resultat ist ein Video-Statement, welches vielleicht ganz gut aussieht, aber dennoch sehr umprofessionell wirkt und ein Image Ihres Unternehmens kommuniziert, welches Sie gar nicht wollen.

Hier gilt sogar: ist der Ton sehr gut und das Bild nicht ganz optimal, wird das Video dennoch als professionell wahrgenommen. Nicht aber andersherum: Ist das Bild perfekt und der Ton hingegen nicht gut, wird das Video als eher unprofessionell und amateurhaft wahrgenommen.

Seit über 20 Jahren arbeite ich mit Audio, Sound und Film und stelle auch heute noch immer wieder fest, dass selbst Profis die Kraft von Bild und von Audio falsch werten. Ich würde sagen, 40/60 für das Audio ist das richtige Verhältnis. Planen Sie in Ihrer Produktion unbedingt eine vernünftige Audioaufnahme und deren Bearbeitung ein.

MK   -`ღ´-

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Markus Kambeck

Markus Kambeck

Geschäftsführer / Kreation

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